Abfluss reinigen mit Natron: was das Hausmittel kann.
Gegen Geruch und beginnende Ablagerungen: ja. Gegen eine Verstopfung, bei der das Wasser schon steht: nein. Warum das so ist, und was stattdessen hilft.

Natron ist gut gegen Geruch und gegen die dünne Schicht, die sich mit der Zeit in der Leitung aufbaut. Gegen eine Verstopfung, bei der das Wasser schon im Becken steht, hilft es nicht.
Das ist die ehrliche Antwort, und sie erspart Ihnen einen Abend mit Sprudeln und Warten. Warum das so ist und was stattdessen funktioniert, steht hier.
Was dabei wirklich passiert
Natron ist Natriumhydrogencarbonat, Essig ist verdünnte Essigsäure. Zusammen reagieren die beiden zu Kohlendioxid. Das Gas schäumt auf, es zischt, es steigt im Abfluss hoch. Genau dieses Sprudeln wird für Wirkung gehalten.
Der Schaum löst aber kein Haarknäuel und kein erstarrtes Fett. Er macht Druck, an einer Stelle, an der Druck nichts ausrichtet. Dazu kommt der zweite Punkt: Base und Säure heben sich gegenseitig auf. Was das Natron als Base hätte lösen können, verbraucht die Essigsäure im selben Moment. Übrig bleibt Wasser mit Bläschen.
Haben Sie vorher ein chemisches Mittel eingefüllt, geben Sie weder Natron noch Essig noch sonst etwas nach. Die Mittel können miteinander reagieren. Dann nur noch anrufen und dazusagen, was drin ist.
Sprudeln ist kein Reinigen. Was Sie hören, ist die Reaktion zwischen Natron und Essig, nicht die Verstopfung, die nachgibt.
Wann es trotzdem sinnvoll ist
Als Pflege, nicht als Rettung.
- Gegen Geruch. Natron bindet Gerüche im Siphon und in den ersten Zentimetern der Leitung. Dafür reicht es.
- Gegen beginnende Ablagerung. Wenn das Wasser noch abläuft, nur langsamer als früher, hält regelmäßiges Spülen die Schicht dünn.
- Weil es die Leitung nicht angreift. Im Altbau ist das der eigentliche Vorteil. Natron tut alten Rohren und Dichtungen nichts. Chemischer Rohrreiniger schon.
Einmal im Monat nach dem Abwasch in der Küche, das ist die Größenordnung, in der es etwas bringt.
Die Anleitung, wenn Sie es probieren wollen
- Stehendes Wasser abschöpfen. Das Natron soll an die Ablagerung kommen, nicht darüber schwimmen.
- Drei bis vier Esslöffel Natron direkt in den Abfluss geben.
- Eine halbe Tasse Essig nachgießen.
- Zehn bis fünfzehn Minuten warten.
- Mit heißem Wasser nachspülen. Heiß, nicht kochend.
Kochendes Wasser kann Kunststoffrohre verformen und Silikonfugen lösen. Heiß aus der Leitung reicht für das, was Natron leisten kann.
Was besser wirkt als Natron
Zwei Handgriffe, beide unspektakulär. Sie lösen den Großteil der Fälle in Küche und Bad.
Die Saugglocke
Zuerst den Überlauf zuhalten, beim Waschbecken das kleine Loch oben, in der Badewanne die Blende. Sonst entweicht der Druck dort. So viel Wasser einlassen, dass die Glocke unter Wasser steht, dann kräftig und mehrmals pumpen. Es wirkt der Zug beim Hochziehen, nicht das Drücken.
Den Siphon aufschrauben
Der Siphon ist der gebogene Bogen unter dem Becken. Kübel drunter, die beiden Überwurfmuttern mit der Hand aufdrehen, Bogen abnehmen, ausleeren, auswaschen, wieder anschrauben. Bei Haaren in der Dusche und Fett in der Küche sitzt die Verstopfung sehr oft genau dort. Danach das Wasser ein paar Minuten laufen lassen und darunter schauen, ob die Verschraubung dicht ist.
Warum wir von chemischem Rohrreiniger abraten
Im Wiener Altbau liegen oft alte Leitungen, dazu Dichtungen, die schon Jahrzehnte drin sind. Die Lauge im Rohrreiniger greift genau das an.
Und sie verschwindet nicht. Kommt das Mittel nicht durch, steht danach eine Lauge im Rohr. Wer die Leitung als Nächstes öffnet, arbeitet damit: der Installateur, oder Sie selbst, wenn Sie den Siphon aufschrauben. Deshalb fragen wir am Telefon danach, bevor wir kommen.
Wann Hausmittel keinen Sinn mehr haben
An diesen Punkten hört das Probieren auf:
- Das Wasser steht. Es läuft nicht langsam ab, es läuft gar nicht ab. Dann sitzt etwas Festes im Rohr.
- Mehrere Abflüsse gleichzeitig. Küche und Bad zusammen heißt: Die Verstopfung liegt nicht in Ihrem Siphon, sondern weiter hinten in der gemeinsamen Leitung.
- Es gluckert woanders. Sie lassen die Dusche laufen und im WC blubbert es. Die Luft sucht sich einen Weg, weil das Rohr zu ist.
- Es kommt wieder. Dreimal im Jahr dieselbe Leitung heißt, dass das Rohr das Problem ist und nicht der Abfluss.
Dann ist es ein Fall für die Rohrreinigung mit Spirale oder Hochdruck. Und wenn es steht und nicht bis morgen warten kann, für den Abfluss-Notdienst.
Häufige Fragen dazu
Hilft Natron gegen eine verstopfte Leitung?
Gegen Geruch und beginnende Ablagerungen ja. Gegen eine Verstopfung, bei der das Wasser steht, nicht. Der Schaum aus Natron und Essig macht Druck, er löst aber kein Haarknäuel und kein erstarrtes Fett.
Natron oder Backpulver, ist das dasselbe?
Nicht ganz. Backpulver enthält Natron, dazu aber Säure und Stärke, es sprudelt also schon im Wasser. Reines Natron aus der Drogerie ist die sauberere Wahl. Gegen eine echte Verstopfung richten beide gleich wenig aus.
Wie lange soll Natron im Abfluss einwirken?
Zehn bis fünfzehn Minuten reichen. Die Reaktion mit dem Essig ist nach wenigen Minuten vorbei, längeres Warten ändert nichts mehr. Danach mit heißem, nicht kochendem Wasser nachspülen.
Kann ich statt Essig heißes Wasser nehmen?
Ja, und gegen Geruch ist das die ruhigere Variante: Natron einstreuen, kurz liegen lassen, mit heißem Wasser nachspülen. Ohne Essig fehlt das Sprudeln, das aber ohnehin nicht die Arbeit macht.
Schadet Natron alten Rohren?
Nein. Natron ist eine milde Base und greift weder Metall noch Dichtungen an. Genau darin liegt sein Vorteil gegenüber chemischem Rohrreiniger, der im Altbau riskant ist.
Wenn Sie doch jemanden brauchen.
Wenn Natron nicht reicht.
Schicken Sie ein Foto vom Abfluss. Wir sagen Ihnen, womit wir rechnen.